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14 Februar 2006

Abschied nehmen

Letzten Freitag konnte ich nun endlich von meinen Liebsten Abschied nehmen. Für das tolle Zmorge bei Lucio und Toni in der "Bude" sei nochmals gedankt. Der Abschied war wirklich rührend und es hat mich wirklich sehr gefreut, dass Ihr so zahlreich frühmorgens erschienen seid (Lucio, Toni, Flammentoni, Michèle und Niki, Paulo, Fabian, Pietro, Lola, Mama und Ruth ... und natürlich Kilian). Nachdem ich mich bei meinem früheren Brötligeber, der Advokatur Gysin und Roth, ebenfalls verabschiedet hatte, konnte meine Reise endlich beginnen.

Ruth hat mich dabei die ersten drei Tage eskortiert. Geplant (oder eben besser gesagt eben nicht ...) war ja, dass sie mich bis zum Julierpass begleiten würde. Zwar habe ich mittlerweile einige Velotouren unternommen, doch das enorme Gewicht meines neuen Stahlrosses samt Ausrüstung für vier Jahreszeiten (rund 35 kg Gepäck ohne Proviant) habe ich etwas unterschätzt. Nachdem Ruth und ich in Ormalingen beim Restaurant Schlüssel nochmals richtig zugeschlagen hatten (Cordon Bleu und viel Spätzli für mich), ging es rauf nach Anwil. Der Anstieg war brutal und ich dachte schon, ich schaffe es nicht mehr. Ohne Pause wär's nicht gegangen. Staffelegg und Saalhöchi waren ebenfalls sehr herausfordernd mit dem vielen Gewicht. Es braucht wohl noch ein bisschen Angewöhnung. Etwas Ballast habe ich auch schon abgeworfen (etwa den Weltempfänger, den ich mühsam in Deutschland bestellt habe, Danke trotzdem Berthold!).

Wir machten Zwischenhalt in Aarau und Metmenstetten (in der Gegend um den Albis), wo wir in einem Bed + Breakfast einkehrten. Der Inhaber entpuppte sich als Heiri Müller (uns bis anhin unbekannt). Für Pferdebessesene: Heiri Müller chauffiert mit seinen zwei "Knaben" (zwei stattliche schwarze Frieser-Pferde) seit 18 Jahren beim jährlichen SCI (Pferdeconcours) während der Siegerehrungen die medaillenüberbringenden Schönheiten. Nebenbei ist er auch noch passionierter Züchter von Schweizer Schecken Hasen.

In Wädenswil am Zürchersee stand dann der härteste Abschied von meiner lieben Ruth bevor. Ich konnte wieder einmal erfahren, dass das Reisen zu zweit sehr viel Spass macht und seine grossen Vorzüge hat. Grazie mille Ruth, sei meravigliosa! Nachdem der Zug abgefahren war, fühlte ich mich richtiggehend verloren und orientierungslos.

Magenverstimmung

Einige werden mich nun schon über alle sieben Berge vermuten. Dem ist aber nicht so. Seit zwei Tagen habe ich ein unglaubliches Völlegefühl und Blähungen. Trotz Schwerarbeit will kein Staubsauger-Bärenhunger aufkommen, wie er bei Velotouren normal sein sollte. Vorgestern ass ich nur die Hälfte der Pasta. Gestern zwang ich mich dann schon richtiggehend, die Teigwaren aufzuessen (wie es mir beigebracht worden ist). Ich übernachtete übrigens auf dem Camping-Platz von Bad Ragaz, welches zu meinem Erstaunen das ganze Jahr offen hat. Offensichtlich war ich der einzige mit Zelt. Kommentar eines Mobilehomes-Bewohners: "ganz ä zäche". Schön wär's. Zwar wars draussen minus 5 Grad kalt, in meinem Schlafsack aber wohlig warm. Bis ein Uhr lag ich wach und hatte immer noch einen vollen (unverdaut, wie sich herausstellen sollte) Magen. Ich hielt es nicht mehr aus, kleidete mich an (brrrrrr) und wollte auf die Toilette. Nach wenigen Schritten überkam es mich aber schon und meine ganzen Kochkünste vom Vorabend breiteten sich vor mich aus (igitt). Wenigstens konnte ich dann noch einigermassen schlafen. Die ganze Aufregung und Anspannung der letzten Tage und Wochen hat mir wohl auf den Magen geschlagen.

Heute wollte ich endlich den Julier-Pass in Angriff nehmen. Derart geschwächt war jedoch nicht mehr an ein Weiterkommen zu denken. Nach wenigen Kilometern bereits merkte ich die mir abhanden gekommenen Kohlehydrate. So habe ich mich in Chur in einem gemütlichen Backpacker-Hotel einquartiert und gönne mir etwas Ruhe bis morgen.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Aus dem Hause Rahime und Pietro: Lieber Bruder und zukünftiger Schwager, mittlerweile bist du sicher schon ausser Lande und hast die "Abschiedsphase" mit all ihren Symptomen hinter Dich. Wir wünschen Dir auf Deiner erfahrungsreichen Reise alles Gute und viel Glück, mögen Dir die Glücksbringer noch reichlich Glück und Schutz bescheren, aber bleib bitte trotzdem realistisch und sei nicht übermutig. In Gedanken sind wir bei Dir. Rahime und Pi